Eitle, alte Männer und ihre Solidarität

Januar 31st, 2009  |  Published in Grüne  |  3 Comments

Okay, welche Partei füllt schon Zeitungen mit der Erstellung der Liste für die EP-Wahlen? In den letzten Tagen, seit dem grünen Bundeskongress in Klagenfurt, ist die Listenerstellung sozusagen das Lieblingsthema von BlogerInnen, JournalistInnen und PosterInnen geworden. Und ziemlich auffallend dabei: wenn es schon keine Partei-interne Solidarität gibt dann anscheinend doch eine Männersolidarität, die Voggenhuber nun den Rücken stärkt. Misik denkt auf seinem Blog (inklusive tollem Kommentar von Veronika!) schon über die Nachfolge von Eva Glawischnig nach und meint, wir Grüne müssten unbedingt Voggenhuber aufstellen – anders (also mit Ulrike Lunacek – einer Frau – als Spitzenkandidatin) hätten wir die Wahl schon verloren.

Was da in den letzten Tagen passierte, ist für mich nichts als der Abgang eines – ja – erfolgreichen Europapolitikers, begleitet von einer “Leier der alten Männer”: Listenplatz eins nicht geschafft, Platz zwei (aus Eitelkeit?) verweigert, dann wieder auf  Platz 16 kandidieren wollen, um unter dem Titel Solidaritätskandidatur ein grüninternes Match gegen die eigenen MitstreiterInnen zu starten. Wenn es Voggenhuber um den Erfolg der Grünen gegangen wäre, hätte er kandidiert, auf Platz 2, 3, 7… wo auch immer. Aber einem Gremium vorzuschreiben, auf welchen Platz sie ihn zu wählen haben und sich danach auf Demokratieverständnis zu berufen um von Platz 16 einen Vorzugsstimmenwahlkampf starten zu können – das geht sich einfach nicht aus!

In sämtliche Foren und Blogs (franzjoseph ist einer der wenigen, der hier viel differenzierter schreibt) tauchen jetzt die leidenschaftlichen Voggenhuber-Fans auf und entwickeln nicht nur eine Pro-Voggenhuber, sondern auch eine Anti-Glawischnig/Lunacek Position – das hat also funktioniert. Ich verstehe aber nicht, wie von einem EU-Schwergewicht gesprochen werden kann, wenn alles, was er in letzter Zeit machte – oder zumindest medial transportierte – auf Selbstdarstellung und die Demontage von gewählten Spitzenpolitikerinnen abzielte. Und auch wenn es mir bewusst ist, dass eine grüne Innen-Sicht anders aussehen kann als jene der WählerInnen: Was ich aber absolut nicht ertragen kann ist Illoyalität von Spitzen-Positionen – sorry das geht nicht.

Der wohl zutreffendste Satz fiel gestern in einer Unterhaltung mit einer grünen Kollegin: Das schlimmste was dir in einer politischen Partei passieren kann sind eitle, alte Männer. – Recht hat sie.

Im Übrigens bin ich der Meinung, dass die Grünen das beste Konzept für ein solidarisches, ökologisches und modernes Europa haben! (Und für alle die – wie ich – lieber über Inhalte anstatt der Befindlichkeiten einzelner reden: http://europeangreens.eu/ – Der Grüne New Deal)

Responses

  1. Sonja Schiff says:

    Januar 31st, 2009at 18:41(#)

    Sorry, aber deinen Beitrag finde ich ebenfalls mehr als einseitig betrachtet. Da bist du nicht besser als misik. Und im Übrigen finde ich es schlimm von “eitlen alten Männern zu reden”, es ist diskriminierend. Würde jemand von Frauen so reden, gäbe es einen Aufschrei- mit Recht übrigens. aber umgekehrt gilt das ebenso.
    Ich verstreh den Bedarf an Verjüngung sehr gut, war in Salzburg selbst ein Opfer jener, die sich ihren Posten sichern wollen bzw. ihre Schützlinge forcieren. Aber der Bedarf an Verjüngung rechtfertigt nicht Demütigung und Verletzung. UND, der Bedarf an Verjüngung kann nicht auf Kosten der Wahlerfolge und der Partei gehen. Und das tut es derzeit gewaltig.
    Mehr zu meiner Sicht der Dinge hier:
    http://sonjaschiff.twoday.net/stories/5483514/

  2. Stephanos Berger says:

    Februar 1st, 2009at 22:07(#)

    Peter hat insofern recht, weil ich diesen Zirkus schon kannte, als es noch eitle, junge Männer waren, von denen hier die Rede war. Im übrigen auch nichts weiter schlimmes, denn weshalb sollten sich grüne PolitikerInnen in Fragen der Karriere auch nur einen Deut anders verhalten als jene anderer Couleurs? Der Unterschied liegt im Programm und den Visionen. Aber wenn es um die Reise nach Brüssel oder in den Nationalrat geht, ist keiner lauterer als der/die andere. Also Lunacek vor und Voggenhuber auf andere Mission – und dann schauen wir mal, wie es in 10 Jahren aussieht, wenn die next generation dran ist. Get real!

  3. Self destroying Legacy? | Feuerhaken says:

    Februar 4th, 2009at 17:57(#)

    [...] entspinnt sich, als weiteres Erklärungsmodell, eine Sexismusdebatte wo die einen gegen “alte eitle Männer” anschreiben, mischt auch Voggenhuber mit, indem er sich als Sexismusopfer sieht [...]

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