Die Schuldenfabrik Finanzmarkt

Dezember 30th, 2011  |  Published in economy  |  1 Comment

Die Banken haben sich in den vergangenen Jahrzehnten ein ausgeklügeltes System zurechtgelegt, mit dem sie bei geringem Eigenkapitaleinsatz immer mehr Geld “produzieren” können. Das Regelwerk, das dem zu Grunde liegt sind die Basel-Kriterien. Dort wird eine Eigentkapitalunterlegung von 8% festgeschrieben. Das würde – oberflächlich betrachtet – bedeuten, dass für jeden Euro Eigenkapital 12,5 Euro Kredit vergeben werden können. Doch so einfach ist die ganze Sache nicht. Denn das 8%-Kriterium gilt nicht für alle Kredite, es gilt für die risikogewichteten Aktiva in den Bilanzen der Banken. Denn je nach Risiko der Kreditsumme muss nur ein gewisser Anteil mit Eigenkapital unterlegt werden. Dieser Anteil liegt (für OECD-Banken und erstklassig geratete Investmentinstitute) bei 20 %.

Wenn sich die Deutsche Bank also beispielsweise 100 Euro Kredit besorgte, reichten dafür 20 Euro an (risikogewichtetem) Aktiva in der Bilanz. Und diese 20 Euro müssen dann mit 8% (also ganze 1,60 Euro) Eigenkapital unterlegt werden. Umgekehrt gerechnet bedeutet das, dass mit einem Euro Eigenkapital 62,5 Euro an Kreditsumme geschaffen werden kann. Für all jene Kredite, auf die noch zusätzlich ein Credit-Default-Swap (CDS, Kreditausfallsversicherung) abgeschlossen wurde, erfordern darüber hinaus gar kein Eigenkapital. Das führte dazu, dass sich Banken gegenseitig ihre Kreditpapiere versicherten, was immer wieder paradoxen Situationen hervorbrachte: Bank A hat eine Schuldverschreibung bei Bank B. Bank B wiederum lässt sich diese von Bank A versichern. Bank A verpflichtete sich also, bei eigener Zahlungsunfähigkeit der Bank B den Kredit zu ersetzen. Dazu kommt noch, dass Banken eine ganze Reihe an erstaunlichen Dingen als Eigenkapital werten dürfen (beispielsweise nicht realisierte Gewinne). Diese bestehenden Regeln gleichen einer Gelddruckmaschine. Wie das funktioniert soll ein kurzes Beispiel darstellen:

Wichtig für dieses Beispiel: mit jedem Euro Eigenkapital können 62,5 Euro Kreditsumme geschaffen werden. Investmentbank A  hat 1 Million Euro, die sie bei einer Bank – am besten eine konzerneigene Tochterbank – als Eigenkapital anlegt. Auf dieser Grundlage erhält die Investmentbank A einen Kredit und zwar in der Höhe von 62,5 Millionen Euro. Als Zinssatz für Interbankenkredite nehmen wir (übliche) 2,6% an, die Zinskosten belaufen sich also auf 1.625.000 Euro.

Um diese Zinskosten abzusichern, kauft Investmentbank Staatsanleihen die mit einem Zinssatz von 5% rentieren. Und zwar um 32,5 Millionen Euro. Somit  hat sie den Zinsendienst abgesichert und ganz nebenbei bleiben 30 Millionen Euro frisches Geld übrig, das frei für’s Renditemachen ist.

Tendenziell können so die großen Bankhäuser eine unendlich große Menge an Kreditgeld schaffen. So konnte der Finanzsektor in den vergangenen Jahren auch derart massiv wachsen.

Responses

  1. Die Zeichen stehen auf Krise :: Peter Kraus says:

    Dezember 30th, 2011at 20:18(#)

    [...] und theoretisch ist es den Banken möglich, (tendenziell) unendlich Kreditgeld zu erzeugen. (Wie, das versuche ich kurz hier zu erklären: “Die Schuldenfabrik Finanzmarkt”). Wirkliche (real)wirtschaftliche Leistung und Wohlstandsgewinn stehen dahinter wohl [...]

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