Peter Kraus | Warum ich für die Abschaffung der Wehrpflicht stimme.
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Warum ich für die Abschaffung der Wehrpflicht stimme.

16 Jan Warum ich für die Abschaffung der Wehrpflicht stimme.

Am Sonntag passiert in Österreich etwas Neues: eine Volksbefragung. Eigentlich sollte es in den Wochen davor um Argumente gehen. Offenbar geht es den beiden Regierungsparteien aber viel mehr um Parteitaktik und um ein Match, inszeniert auf dem Rücken der 20.000 jungen Männer, die jährlich zur Wehrpflicht zitiert werden. Statt Sachlichkeit und Vernunft haben leider Verunsicherung und Ängste die Wehrpflicht-Debatte in den letzten Wochen dominiert. Ich bitte euch alle aber: stimmt am Sonntag für die Abschaffung der Wehrpflicht.

Ein paar Fakten…

Also Fassen wir nochmals zusammen:

  • Es liegt schlicht keine Bedrohung unseres Staatsgebietes vor, in Zukunft wird es im militärischen Bereich verstärkt um Friedensaufgaben gehen.
  • 60 Prozent der Präsenzdiener sind schon heute reine Systemerhalter.
  • Nach sechs Monaten werden sie nach Hause geschickt und nie wieder geholt. Man zeige mir eine andere Organisation, die ständig neue Leute ausbildet, sie aber faktisch nie einsetzt.
  • Abrüstung muss das Ziel sein. Die Abschaffung der Wehrpflicht und Reform des Bundesheeres ist ein erster Schritt dorthin.
  • Österreich hat bereits ein Berufsheer: 21.000 Stellen sind im Verteidigungsministerium besetzt. Es geht also eigentlich um die Frage der Abschaffung der Wehrpflicht!
  • Die meisten europäischen Staaten haben diese Frage beantwortet: Seit dem Jahr 2000 wurde die Wehrpflicht in 17 EU-Staaten abgeschafft. Nur noch drei EU-Staaten außer Österreich halten an der allgemeinen Wehrpflicht fest: Finnland, Griechenland und Zypern.

(für weitere 100 Sätze für das neue Berufsheer siehe: Beitrag von Wolfgang Koch auf diepresse.com)

 

…und was Persönliches.

Ich gebe zu, mein persönlicher Kontakt zum Bundesheer waren zwei Tage Musterung. Nicht viel. Aber genug um zu sehen und zu spüren, warum ich diesen Zwangsdienst zukünftig allen Jugendlichen ersparen will.

Wir bringen Jugendlichen auf ihrem gesamten Weg bei, sie müssten sich entwickeln, ihre Lebensziele erkunden; wissen, was sie nach der Schule, nach der Matura mit ihrem Leben anfangen wollen. Eigentlich stellen wir ihnen diese Frage ab der Volksschule immer und immer wieder. Und just in jenem Moment, in dem die Matura geschafft, die Lehre abgeschlossen ist, heißt es: Sorry, du kannst leider nicht mit deinen FreundInnen in den Beruf/ins Studium einsteigen. Du wirst jetzt zu einem Soldat ausgebildet. Ja, die Fragestellung bei der Volksbefragung ist missglückt. Dafür können die vielen Jugendlichen während der nächsten Jahrzehnte aber nichts. Und denen möchte ich ihnen diesen Zwangsdienst ersparen. So wie ich mir vor 8 Jahren gewünscht hätte, dass er mir erspart bleibt.

Leider ist es offenbar das Los der progressiv denkenden, reflektierten Menschen, dass sie eben genau das sind: umfassend betrachten viele mit denen ich in den letzten Tagen gesprochen habe die möglichen Auswirkungen der Volksbefragung. Oft mit der Option, nicht zur Befragung zu gehen, weil das persönliche Ideal nicht erreicht werden könne. Ja, auch mein Ideal wird am Sonntag nicht zur Abstimmung stehen.

Gleichzeitig gibt es eine Gruppe (und ich bin davon überzeugt, dass es eigentlich nicht die Mehrheit in diesem Land ist), die ohne große Gedankenschleifen am Sonntag für die Beibehaltung der Wehrpflicht stimmen wird. Mit Argumenten, die mehr Stehsätze als alles andere sind – was musste ich da nicht schon alles hören: Geschadet habe die Wehrpflicht ja noch niemanden und außerdem soll jeder ein bissl was beitragen und für so Buben is das schon nicht schlecht, weil da müssen sie mal lernen ordentlich zu sein und mit Waffen zu schießen. Und schlussendlich würde man anscheinend so auch zum echten Mann.

Dass darüber hinaus das Sozialsystem zusammenbricht, die Neutralität gefährdet ist und wir bei Naturkatastrophen ohne Hilfe dastehen, sind politische Spins, auf die ich hier ob ihrer leichten Widerlegbarkeit nicht eingehe.

Wir brauchen diese Wehrpflicht nicht. Schaffen wir sie ab, denn nur so sind Reformen beim Bundesheer überhaupt machbar. Denn darum geht es am Sonntag.

 

 

2 Comments
  • Mario
    Posted at 20:38h, 16 Januar

    „die ohne große Gedankenschleifen am Sonntag für die Beibehaltung der Wahlpflicht stimmen wird“ Ich nehme an da sollte Wehrpflicht nicht Wahlpflicht stehen? Oder meinen sie die Beibehaltung der Wahlpflicht zwischen Heer und Zivildienst?

    • Peter Kraus
      Posted at 22:05h, 16 Januar

      Danke für den Hinweis! Da hat sich die Autokorrektur wohl eingemischt, es soll natürlich „Wehrpflicht“ heißen.

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