Peter Kraus | #mahü: Lieber Finn, Arsch hochkriegen!
1070
single,single-post,postid-1070,single-format-standard,ajax_fade,page_not_loaded,,wpb-js-composer js-comp-ver-4.1.2,vc_responsive

#mahü: Lieber Finn, Arsch hochkriegen!

IMG_9758-1024x682

26 Feb #mahü: Lieber Finn, Arsch hochkriegen!

Nach Wochen und Monaten der Debatte gibt es eigentlich nichts mehr, das zur Mariahilfer Straße noch nicht gesagt wurde. Die letzte fehlende – und wirklich lesenswerte – Ergänzung kommt vermutlich von Maik Novotny, der in diesem Text der Frage nachgeht, ob Randsteine katholisch bzw. Begegnungszonen protestantisch sind. Alle Fragen geklärt? Hatte fast den Anschein.

Doch dann kam Finn. Finn ist Student, wohnt in Neubau und ist Befürworter der Verkehrsberuhigung auf der Mariahilfer Straße. Macht er deshalb auch bei der Abstimmung mit? Wir lesen im Kurier:

Kurier online, 23.2.2014

Kurier online, 23.2.2014

Finn steht dabei für einige (nicht alle) jüngere Menschen, die ich in den vergangenen Tagen und Wochen bei Hausbesuchen getroffen oder mit denen ich lange telefoniert, gesprochen oder über Facebook diskutiert habe. Und er ist so etwas wie der Gegenentwurf zum Herrn Papke aus dem letzten Falter, der wohl schon wochenlang auf den Stimmzettel wartet um endlich seiner Ablehnung auch auf dem Stimmzettel Ausdruck zu verleihen.

Aus dem Falter 08/2014

Aus dem Falter 08/2014

Klar,  die Umgestaltung von 1,8 km Straße und ein paar geänderte Einbahn-Regelungen sind nicht das Weltbewegendste für die große Mehrheit der NeubauerInnen und MariahilferInnen. Was Finn jedoch übersieht (genauso wie Herr Papke, vermute ich) ist, welche grundlegenden Fragen hinter dem Projekt Mariahilfer Straße stehen und welche Konfliktlinien die monatelange Kontroverse nähren.

Worum es bei der Mariahilfer Straße mittlerweile geht

Es geht darum, ob in Wien Veränderung möglich ist oder nicht. Regieren bedeutet sich  – sehr verknappt ausgedrückt – zwischen zwei Wegen zu entscheiden: das Erfolgreiche bewahren und Verwalten (was die Wiener SPÖ mit gar nicht so geringem Erfolg seit Jahrzehnten tut) oder Neues wagen und Veränderungen anpacken. Für Letzteres haben wir Grüne uns entschieden. Die (zumindest mediale) Aufregung über Parkraumbewirtschaftung, Radverkehr, Tarifreform usw. belegt das eindrucksvoll.

Es geht darum, wie unsere Städte in Zukunft aussehen sollen. Der dänische Architekt Jan Gehl bringt es auf den Punkt: im 21. Jahrhundert gehören die Städte wieder den Menschen und nicht den Autos. Klingt einleuchtend, bedeutet aber nach jahrzehntelanger autozentrierter Stadtplanung Umverteilung des öffentlichen Raums. Und dass diese nicht konfliktfrei abläuft sondern mit starker Kontroverse verbunden ist, das spürt im Moment jedeR in Wien.

Es geht auch darum, wie selbstbewusst Wien eine junge, zukunftsorientierte Identität entwickeln kann. Aus allen demoskopischen Daten wissen wir, dass die Zustimmung zur Verkehrsberuhigung der Mariahilfer Straße bei den Jüngeren genau so hoch ist, wie die Ablehnung bei den älteren Generationen.  Da ist die Mariahilfer Straße auch kein Einzelfall. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der im Februar veröffentlichten Umfrage bezüglich EU-Skepsis. Oder bei der Volksbefragung zur Abschaffung der Wehrpflicht 2012. (einige werden sich noch an das Gefühl erinnern, als einige Tage nach der Abstimmung klar wurde, dass – verkürzt gesagt – die „alten“ über die Zukunft vieler „jungen“ entschieden haben. In Mariahilf und Neubau gab es übrigens österreichweit das deutlichste Votum für die Abschaffung der Wehrpflicht)

Schlussfolgerung daraus? Arsch hochkriegen!

Was schließen wir daraus? Wenn du nicht willst, dass Herr Papke alleine über deine Zukunft, deine Stadt und deine Lebensumgebung bestimmt, dann ist es jetzt Zeit den Arsch hochzukriegen und bei der Befragung zur Mariahilfer Straße mitzumachen.

Dafür sein alleine ist zu wenig. Wer also will, dass Wien auch mal mutig sein kann. Dass Wien etwas ausprobiert, das an der einen oder anderen Stelle bestimmt ungeschickt gehandhabt wurde, aber dennoch im Kern eine große Idee ist. Dass in dieser Stadt ein Raum entsteht, der urbanes Lebensgefühl ermöglicht. Und wer sich nach 7. März 2014 nicht mit demselben Gefühl herumschlagen will, mit dem er_sie sich auch nach der Befragung zur Wehrpflicht herumschlagen musste, sollte jetzt noch schnell den Postkasten durchsuchen, für die Verkehrsberuhigung voten und das Kuvert schleunigst zurückschicken oder am Bezirksamt abgeben.

 

No Comments

Post A Comment